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Die Leipziger Genealogische Gesellschaft e.V.
Sachsen im Allgemeinen und Leipzig im Besonderen sind bekannt wegen ihrer
genealogischen Traditionen. Erinnert sei hierbei an die 1904 in Leipzig
entstandene Zentralstelle für deutsche Personen- und Familiengeschichte
und an die 1967 ebenfalls in Leipzig gegründete Zentralstelle für Genealogie
der DDR.
Die ursprünglich angelegte Adelsgenealogie wandelte sich in Deutschland im
Laufe der Zeit zur breiter angelegten Volksgenealogie. Dazu beigetragen haben
lokale genealogische Arbeitskreise. So bildete sich am 23. Oktober 1907 in
Leipzig ein Ortsausschuss der Zentralstelle für deutsche Personen- und
Familiengeschichte mit der Bezeichnung Genealogischer Abend. In diesen
Vortragsabenden, die in Leipzig aber nur einige Jahre stattgefunden hatten,
wurden über genealogische Themen referiert.
Der Missbrauch der Genealogie im nationalsozialistischen Deutschland führte
dazu, dass die Familiengeschichtsforschung nach 1945 diskreditiert war und mit
Zurückhaltung begegnet wurde.
Die Hobby-Genealogen führten ihre Familienforschungen weiter. Sie suchten
nach genealogischer Anleitung und fachlichen Austausch. So wurden die
Vortragsabende der Zentralstelle für deutsche Personen- und Familienforschung
wiederbelebt, und bald nach 1945 traf sich eine Gruppe vorwiegend Leipziger
Familienforscher in der Deutschen Bücherei zu diesen Veranstaltungen. Insgesamt
fanden so z.B. von 1949 bis 1954 33 derartige Veranstaltungen statt. Diese
Arbeitsabende wurden bis zu seinem Tod 1950 von
Dr. Johannes Hohlfeld, bis März 1957
von Dr. Karl Steinmüller und dann von Waldemar Schupp geleitet. Mit dem Weggang
von W. Schupp 1960 hörte dieser Arbeitskreis auf zu bestehen.
Die Leipziger Genealogen trafen sich jedoch privat weiter. Am 1.Oktober 1967
wurde die Zentralstelle für Genealogie der DDR in Leipzig gegründet.
Diese Gründung wurde durch eine Reihe von Gutachten von Historikern, Soziologen
und Naturwisssenschaftlern empfohlen. Durch diese Gründung verbesserte sich die
Arbeitsweise der Genealogen.
Die Treffen der Leipziger Genealogen wurde in der Tradition der
Genealogischen Abenden in Privatwohnungen durchgeführt, so z.B. in den Wohnungen
von Dr. Hans- Joachim Kretschmar und Gerhard von Bose. Der Teilnehmerkreis der
privaten Genealogentreffen wuchs ständig. Auch von außerhalb Leipzigs stießen
Interessenten dazu. Die bestehende Situation erwies sich zunehmend als
unbefriedigend, denn die Zentralstelle für Genealogie als stattliche Einrichtung
konnten den Bedarf an genealogischer Anleitung und fachlichen Austausch nur
bedingt entsprechen.
In Magdeburg hatte sich 1969 eine Arbeitsgemeinschaft für Genealogie
innerhalb des Kulturbundes der DDR gegründet. Der Kulturbund war in der DDR die
einzige gesellschaftliche Institution, in der eine Ansiedlung einer derartigen
organisierten Gemein- schaft möglich war. Besonders seit der Bildung der
Magdeburger Arbeitsgemeinschaft Genealogie zeigte sich, dass in Leipzig so eine
Organisationsform fehlte, die dem genealogischen Erfahrungsaustausch diente und
die über persönliche Bekanntschaften hinausging. Deshalb entschlossen sich die
Leipziger Genealogen, ebenfalls eine derartige Arbeitsgemeinschaft zu gründen.
Die in diesem Zeitraum gesellschaftlich aktivierte Förderung der
Heimatgeschichte bildete eine gute Vorraussetzung für das Unternehmen. Dr.
Volkmar Weiß nahm den Kontakt zur Stadtleitung Leipzig des Kulturbundes auf und
erstellte am 20. September 1978 die Konzeption einer Arbeitsgemeinschaft
„Historische Soziologie und Genealogie" beim Kulturbund der DDR, Ortsgruppe
Leipzig-Stadt. Fußend auf dieser Konzeption und den durchgeführten
Gesprächen entschloss sich die Stadtleitung Leipzig im Februar 1979, ein
Schreiben An alle Interessierten der Genealogie in der Stadt Leipzig und der
näheren Umgebung zu senden und zu einer Versammlung am 22. März 1979 in den
Klub der Intelligenz in Leipzig einzuladen, um eine derartige
Arbeitsgemeinschaft zu gründen. An dieser Versammlung nahmen 17 Personen teil,
davon zehn aus Leipzig, zwei Personen aus Halle und je eine Person aus Berlin,
Schkopau, Balgstädt, Torgau und Fuchshain. Unter diesen Gründungsteilnehmern
finden sich solche Namen wie Dr. Hans-Joachim Kretschmar, Gerhard von Bose,
Wolfgang Strubell, Erhard Werndl, Dr. Karl Höhnel, Dr. Hermann Metzke, Helmut
Luft, Dr. Hans-Joachim Rothe und Dr. Volkmar Weiß. Diese Personen sind
unmittelbar mit der sächsischen und/oder der deutschen Genealogie verbunden und
haben diese entscheiden mit geprägt. Dr. Hans-Joachim Rothe war der damalige
Leiter der Zentralstelle für Genealogie, und der schon im hohen Alter stehende,
frühere Direktor des Staatsarchivs Leipzig, Dr. Karl Höhnel, der die 1962 von
der Deutschen Bücherei in das Staatsarchiv Leipzig abgegebenen Bestände der
Zentralstelle für Personen- und Familiengeschichte sowie die später hinzu
gekommenen familiengeschichtlichen Unterlagen betreute und auskunftsfähig hielt.
Als Leiter der Arbeitsgemeinschaft wurde Dr. Volkmar Weiß gewählt, der dieses
Amt für zehn Jahre inne hatte.
Am 3. Dezember 1981 fasste die Arbeitsgruppe Genealogie Leipzig einen
Beschluss, eine Untergruppe zu bilden, die sich der genealogischen Arbeit der
Stadt und des Bezirkes Halle widmet. Mit der Leitung der Untergruppe wird Dr. H.
Metzke beauftragt. Hermann Metzke war auch schon Mitglied der
Arbeitsgemeinschaft Genealogie in Magdeburg. Er ist heute Vorsitzender der
Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Vereine, dem Dachverband der
genealogischen Vereine in Deutschland.
In der Folgezeit gründeten sich auch in anderen Städten der damaligen DDR
genealogische Arbeitsgemeinschaften, 1984 in Weimar, 1985 in Dresden, 1986 in
Annaberg-Buchholz, Berlin und Chemnitz, 1987 in Freiberg/Sa., 1988 in Plauen,
Reichenbach und Zwickau. Viele dieser Gründungen unterstützte Dr. Weiß mit, was
aber manchmal nicht einfach war, denn der Kulturbund übte indirekt eine
staatliche Kontrolltätigkeit aus.
In den Versammlungen der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Leipzig wurden
vorrangig fachbezogene Vorträge gehalten. Diese Vorträge waren fast immer auf
hohen, teilweise sogar auf sehr hohen fachlichen Niveau.
Eine erste große Herausforderung für die Leipziger Gruppe bildete das 2.
Genealogentreffen in der DDR am 6.10.1984 in Leipzig. Das erste Treffen hatte
1981 in Magdeburg stattgefunden. Damals kamen die Teilnehmer fast ausschließlich
aus der Magdeburger und der Leipziger Gruppe. Die beiden Gruppen zählten zur
damaligen Zeit insgesamt 61 Mitglieder. Die Leipziger Tagung, welche schon
überregionalen Charakter hatte und eine große Resonanz fand - es lagen über 150
Anmeldungen vor - gab auch zusätzliche Impulse zu den schon erwähnten Gründungen
weiterer Arbeitsgemeinschaften in der DDR. Das Grundsatzreferat, gehalten von
Prof. Dr. W. Lorenz, beschäftigte sich dabei mit dem Stand der Genealogie in der
DDR einschließlich der Situation der genealogischen Arbeitsgemein- schaften.
Auch das 3. und größte Genealogentreffen der DDR, 1989 in Friedrichroda, fand
unter aktiver Beteiligung von Leipziger Teilnehmern statt.
Nach zehn jähriger Tätigkeit als Vorsitzender der Arbeitsgruppe Genealogie
Leipzig trat Dr. Volkmar Weiß von dieser Funktion zurück. In dieser Zeit konnte
die Arbeitsgemeinschaft auf 107 Veranstaltungen mit einer Gesamtbesucherzahl von
2623 Personen zurückblicken
Als Stellvertreter fungierte jahrelang bei den Leipziger Genealogen Prof. Dr.
W. Lorenz. Er übernahm 1989 die Leitungsfunktion innerhalb der Leipziger
Arbeitsgruppe. Durch seinen Wegzug nach Beendigung seiner Berufstätigkeit im
Jahre 1991 in seine Geburtsstadt Annaberg-Buchholz übte er diese Funktion nur
ein Jahr aus.
Seit Januar 1990 fanden in den monatlichen Zusammenkünften Diskussionen über
die Zukunft der Leipziger Genealogiearbeitsgemeinschaft statt. Im Ergebnis einer
Aussprache im Mai des Jahres wurde beschlossen, einen selbständigen Leipziger
genealogischen Verein zu bilden. Diese Gründung erfolgte am 7. Juni 1990 mit
einem einstimmigen Votum der anwesenden Mitglieder. Als Name der Leipziger
familienkundlichen Vereinigung wurde sich für Leipziger Genealogische
Gesellschaft e.V. entschieden. Zum Vorsitzenden wurde Dr. Uwe Bauer gewählt,
der auch heute noch in dieser Funktion tätig ist.
In den nächsten Jahren kamen auf den Verein große Anforderungen zu, die
bewältigt werden mussten. Der Verein musste sich an die gesellschaftlichen
Veränderungen anpassen. Zuerst gab der Verein sich eine Satzung, wurde im
Vereinsregister registriert und wurde auch finanziell selbständig. Das war nicht
einfach, denn in dieser bewegten Zeit verließen einige Mitglieder den Verein.
Ein neuer Versammlungsraum musste gefunden werden. Aber diese Hürde wurde
gemeistert. Der Verein führt heute seine Veranstaltungen in den Räumen der
Kirchlichen Erwerbsloseninitiative in der Leipziger Innenstadt durch.
Des weiteren gab es erhebliche Bewegungen und Diskussionen in der
ostdeutschen Genealogie-Landschaft. Aber wie die anderen sächsischen
Genealogievereine in Chemnitz und Dresden hat auch der Leipziger Verein seine
Selbständigkeit bewahrt. Nach der kurzen Phase der Konsolidierung wuchs auch
wieder die Zahl der Vereinsmitglieder. Am 9.9.1992 erfolgte der Beitritt der LGG
zur „Deutschen Arbeitsgemeinschaft genealogischer Verbände" und 1997 wurde sie
außerdem Mitglied der „AMF"..
Selbstverständlich wurde bewährtes beibehalten. So führt der Verein wie
bisher jährlich zehn Veranstaltungen durch. Inhalt dieser Treffen sind
Fachvorträge , methodische Arbeitsabende wie auch quellenkundliche, regional-
und stadtgeschichtliche Ausführungen. Im Programm stehen außerdem Besuche in
Museen , Archiven und Bibliotheken sowie eine Exkursion.
Die Publikationsorgane der Arbeitsgemeinschaft Genealogie Leipzig bzw. der
Leipziger Genealogischen Gesellschaft (LGG ) waren unterschiedlich. Vor 1989 war
auf Grund der in der DDR herrschenden Bestimmungen eine selbständige
Veröffentlichung nicht möglich. Eine Veröffentlichung war nur im Rahmen der
Publikationsorgane des Kulturbundes gegeben. So veröffentlichten die Magdeburger
und die Leipziger Gruppe die Hefte 2(1981) und 4(1983) der Zeitschriftenreihe
„Familienforschung heute" gemeinsam. Danach publizierten Mitglieder der
Leipziger Gruppe 1983 und 1986 zwei Hefte unter dem Titel „Genealogie als
historische Soziologie", in der sich die Tätigkeit der Arbeitsgemeinschaft in
diesem Zeitraum widerspiegelt. Ab 1990 wurden die „Genealogischen Blätter" der
Leipziger Genealogischen Gesellschaft e.V. (LGG) herausgegeben. Sie erschienen
1990 zehnmal und 1991 als Doppelheft sechsmal. Ihre Fortsetzung fanden sie ab
1992 in der Zeitschrift „Familie und Geschichte", die von Prof. Dr. W. Lorenz
geleitet wird und in der auch Leipziger Genealogen publizieren. In diesen Heften
veröffentlichen die sächsischen und thüringischen genealogischen Vereine
gemeinsam.
Der Computer hat auch in der Familienforschung seinen Einzug gehalten.
Hierfür hat sich inzwischen der Begriff Computergenealogie eingebürgert.
Heute arbeitet der größte Teil der Leipziger Genealogen nur noch mit
Computerprogrammen. Diese Arbeit mündete letztendlich in der Gründung des
Arbeitskreises Computergenealogie am 26. April 2001. Gegenwärtig besitzt die LGG
eine eigene Homepage, in der sie ihre Forschungsergebnisse veröffentlicht.
Der Höhepunkt der genealogischen Tätigkeit der Deutschen
Arbeitsgemeinschaft Genea- logischer Verbände e.V. (DAGV) ist der jährliche,
über vier Tage stattfindende Deutsche Genealogentag. Die Ausrichtung des 51.
Deutschen Genealogentages 1999 wurde im Jahr 1997 der Leipziger Genealogischen
Gesellschaft übertragen. Dieser Genealogentag fand vom 10.-13. September 1999
statt.
Die Veröffentlichungen der Forschungsergebnisse der einzelnen Mitglieder
erfolgt vorrangig in der Zeitschrift Familie und Geschichte und im
Internet. Weiterhin hat die LGG ein Kolloquium zur sächsischen Genealogie
initiiert. Es fand erstmal am 16. März 2002 in Leipzig statt und wird jetzt
jährlich fortgeführt. Diese Veranstaltungsreihe wird gemeinsam mit den
Genealogischen Verein Chemnitz e.V., den Adam-Ries- Bund e.V. Annaberg- Buchholz
und den Vogtländischen Familienforschern durchgeführt. Auch setzt die LGG ihre
guten Beziehungen mit der Deutschen Zentralstelle für Genealogie Leipzig und den
Sächsischen Staatsarchiv Leipzig fort. Natürlich werden auch gute Kontakte zu
den anderen genealogischen Verein gepflegt, besonders zu den Chemnitzer und
Hallenser Familiengeschichtsforschern sowie der Westdeutschen Gesellschaft für
Familienkunde.
Die LGG betrachtet sich als genealogischer Ansprechpartner für die Genealogen
Westsachsens. Den Schwerpunkt ihrer genealogischen Tätigkeit sieht die LGG in
der Weitervermittlung von vorrangig genealogischen Informationen und in der
Weiterbildung.
Die Leipziger Genealogische Gesellschaft e.V. ist sich der genealogischen
Tradition ihrer Stadt bewusst. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten versucht sie
mitzuhelfen, neben der Familiengeschichtsforschung, besonders auf dem Gebiet der
Regional-, Sozial- und Mentalitätsgeschichtsforschung ihren Beitrag zu
leisten.
Die bisherigen Vorsitzenden der Leipziger familiengeschichtlichen
Vereinigung
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Volkmar Weiß PD Dr. Dr., geboren 1944 in
Zwickau, Studien an den Universitäten Leipzig und Berlin, arbeitete als
Genetiker und Historiker in zentralen wissenschaftlichen Einrichtungen und
war Abteilungsleiter der Deutschen Zentralstelle für Genealogie im
Sächsischen Staatsarchiv Leipzig.
Von 1979 bis 1989 Vorsitzender der AG Genealogie Leipzig
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Wolfgang Lorenz Prof. Dr., geboren 1931 in
Annaberg, Studium, von 1977 bis 1989 Professor an der Leipziger
Universität, spezialisiert auf Fragen der Soziolinguistik; aktives Mitglied
im dortigen Adam-Ries-Bund in Annaberg-Buchholz, Schriftleiter der
genealogischen Zeitschrift „Familie und Geschichte".
1989/90 Vorsitzender der AG Genealogie Leipzig
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Uwe Bauer Dr., geboren 1942 in Leipzig, 1960
bis 1966 Hochschulstudium, 1966 bis 2002 Tätigkeit in der Industrie, seit
1984 Mitglied der AG Genealogie Leipzig, maßgeblich an der Gründung der
Leipziger Genealogischen Gesellschaft e.V. 1990 beteiligt
Von 1990 bis 2005 Vorsitzender der Leipziger Genealogischen Gesellschaft
e.V. |
U.B.
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Vereinigung
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