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Kolloquium zur sächsischen Genealogie 2002
Genealogische Quellen im Sächsischen Bergarchiv Freiberg
Zusammenfassung zum Vortrag am 16.03.2002
Referent: Herr Raymond Plache, Freiberg
Der Bergmannsstand hat zu allen Zeiten seine Exklusivität gewahrt. Selbst im
modernen Industriezeitalter und nach der Herausbildung des Verfassungsstaates
mit der Liberalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft sowie der
Proletarisierung auch des schaffenden Bergmannes haben sich viele Besonderheiten
erhalten.
Über Jahrhunderte bestimmten die Eigenständigkeit des Rechtswesens mit
Bergrecht und Bergjurisdiktion, eine eigene Bergverwaltung mit straff
organisierter ständischer Hierarchie und eigene soziale Sicherungsinstrumente
die Arbeitswelt des Bergmanns. Der vergleichsweise große Einfluss, den der Beruf
auf das gesamte Leben der bergmännischen Bevölkerung ausübte, hatte deshalb auch
nachhaltige Auswirkungen u.a. auf die Religion und den Aberglauben, die Musik,
die Kunst (einschließlich Volkskunst) oder auch auf die Festkultur und die
Tradition.
Informationen über diese sehr eigene Arbeits- und Lebenswelt im Allgemeinen
und über die Berg- und Hüttenleute im Einzelnen werden sich v.a. in der
schriftlichen Überlieferung der Bergverwaltungen und der Montanwirtschaft finden
lassen. Diese Quellen treten für die genealogische Forschung hier oftmals an die
Stelle bekannter, typischer Quellen, die v.a. für die ländliche, insbesondere
bäuerliche oder städtische Bevölkerung einschlägig sind. Die Archivalien unseres
Archivs können gegebenenfalls Antworten auf u.a. folgende genealogische
Fragestellungen zu Einzelpersonen geben:
- Rechtsstellungen und Rechte, v.a. Bergbaurecht
- Besitz-/Eigentumsverhältnisse, insbesondere Besitz von bzw. Eigentum an
Bergbau- und Hüttenbetrieben
- Arbeitsverhältnisse, v.a. Anstellung bei Gruben- und Hüttebetrieben
- Einkommensverhältnisse (Besoldung, Entlohnung, Gewinnerträge aus Bergbau-
oder Hüttenbetrieben, aber auch Armenfürsorge)
- gesellschaftliche Stellung, insbes. innerhalb des Bergmannsstandes (z.B.
Ämter)
- Vorgänge der Zivil- oder Strafgerichtsbarkeit
- Ableistung oder Freistellung von Militärdienst
Darüber hinaus enthalten die Unterlagen aber auch andere genealogisch
interessante Informationen, die im Zusammenhang mit Bergbauangelegenheiten
erhoben wurden. Dazu zählen u.a. Angaben:
- zum Eigentum an den Grundstücken, auf denen Bergbau betrieben wurde.
- zu Verpachtungen von Holz-, Wasserrechten (z.B. an Mühlen),
Fischereirechte
- zur Lage von Grundstücken, Häusern
Weiterhin wurden Überlieferungen der mittleren und unteren sächsischen
Bergverwaltungen sowie der sächsischen Bergbau- und Hüttenbetriebe genannt, die
für die genealogischen Forschungen wertvolle Quellen darstellen.
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