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Das Bergmannsgeschlecht Siegel in Eibenstock im 16./17. Jahrhundert

Zusammenfassung zum Vortrag auf einer Gemeinschaftsveranstaltung der Zentral- und Landesbibliothek Berlin mit der IG Genealogie Berlin am 1. Juni 2005 in Berlin
Referent: Herr Dr. Uwe Bauer (LGG), Leipzig

Bei den Ausführungen zum Bergmannsgeschlecht Siegel wurden folgende inhaltliche, methodische Schwerpunkte gesetzt:

  1. Familienforschung unter Beachtung der historischen Soziologie (Soziologie = Wissenschaft, die sich mit dem Ursprung, der Entwicklung und der Struktur der menschlichen Gesellschaft befasst)
  2. Familienforschung unter Beachtung der Mentalitätsgeschichte (Mentalitätsgeschichte ist ein Teil der Geschichtswissenschaft bzw. der Kulturgeschichte; Mentalität = Geisteshaltung, Sinnesart, Einstellung eines Menschen oder einer Gruppe)
  3. Wie ist genealogische Sekundärliteratur in ihrer Aussagefähigkeit einzuschätzen?
  4. Wie gehe ich mit „toten Punkten" um?

Dabei ist unter Bergmann nicht der heutige Inhalt ( lt. Duden: Bergmann = Arbeiter im Tage- und Untertagebau, der unmittelbar beim Abbau und Fördern beschäftigt ist; Bergmann (Sing.), Bergleute (Pl.)) zu verstehen, sondern die frühere Bedeutung (Bergleute (Bergknappen, Bergarbeiter, Bergvolk; Bergmann) = im weiten Sinne alle Personen, welche sich mit dem Bergbau beschäftigen) soll darunter verstanden werden. Dabei wurde ebenfalls wie früher unterschieden in Bergleute vom Leder (Praxis) und Bergleute von der Feder (Verwaltung).

Die Siegel-Vorfahren des Vortragenden beginnen in der 14. Generation und enden bei dem Stammvater Hans Siegel in der 20. Generation.

Einführend wurde kurz auf die Geschichte von Eibenstock eingegangen, die im Jahre 2005 ihre 850-Jahrfeier durchführt.

Des Weiteren ist zum besseren Verständnis auf das Bergbauwesen in Sachsen eingegangen worden. Einige Begriffe wurden erläutert.
Wer das Bergregal besaß, verfügte über die Bodenschätze, und konnte sie selbst abbauen oder Privilegien und Freiheiten über deren Abbau erteilen. Mit der Goldenen Bulle 1356 wurde das Bergregal vom König auf die Landesherren übertragen. Der sächsische Landesherr war uneingeschränkter „Direktor" seines Montanwesens (Bergbau und Hüttenwesen). Die Bergleute unterstanden nicht der Weisung des Grubeneigentümers, sondern des Landesherrn. Als Gegenleistung für die Verteilung von Abbaurechten wurden Abgaben (der „Zehnt") vom Landesherrn erhoben. Zur Durchsetzung des Bergregals auf Landesebene ist eine Verwaltung notwendig. Die Einteilung der Bergbaugebiete erfolgte in Bergreviere, an deren Spitze ein Bergamt steht. Das Oberbergamt Freiberg (1542 eingeführt) stand über den Bergämtern. Das Bergamt war die untere Verwaltungsebene und bestand in der Regel aus einem Berghauptmann als Vertreter des Landesherrn, einem Bergmeister, 8 Geschworenen, 12 Zehntner, 2 Hüttenreiter, 1 Ausleiher, 1 Gegenschreiber und 1 Bergschreiber.

Die Eingliederung der ersten sechs Generationen des Siegelschen Geschlechtes erfolgte nach folgender Zeitaufteilung:

1. Generation
Stammvater Hans Siegel (1450 – 1508)
2. Generation (1485 – 1550)
Die Reformationszeit – Die aufstrebende Generation
3. Generation (1515 – 1580)
Nach dem Schmalkaldischen Krieg ( 1546 - 1547)
4. Generation (1545 – 1610)
Der Ausbau des kursächsischen Staates
5. Generation (1575 – 1640)
Der Dreißigjährige Krieg (1618 – 1648)
6. Generation (1605 – 1670)
Nach dem Dreißigjährigen Krieg

Der Protagonist jeder Generation wurde dargestellt. Bei der Beschreibung seines Lebens- bildes findet die historische Soziologie und die Mentalitätsgeschichte Beachtung. In diesem Zusammenhang ist auf die Überwindung von „toten Punkten" und die Verwendung von Sekundärliteratur eingegangen worden.

Ausführlich wurde auf die Grundbesitzverhältnisse des 16. Jahrhunderts in Eibenstock eingegangen. Dazu sind in folgenden Unterlagen recherchiert worden: Schatzung 1530, Zinsen und Fronden 1533, Eibenstocker Rainung 1539, Türkensteuer 1542, Amtserbbuch 1550, Amtserbbuch 1568, Amtserbbuch 1589/92, GB 13(1530-1555), GB 14(1555-1569), GB 15(1629-1629). Leider besteht bei den Gerichtsbüchern von 1570 - 1591 eine Lücke , in denen natürlich auch Grundstücksverkäufe stattgefunden haben.
Von besonderem Interesse ist dabei die Eibenstocker Rainung von 1539. Grundherren in der Eibenstocker Region waren die Herren von Tettau und die von der Planitz. Die Tettauer verkauften 1533 die Herrschaft Schwarzenberg an den sächsischen Kurfürsten. Da es Grenzstreitigkeiten vor allem im Zusammenhang mit den Zinnbergbau gab, ordnete der Kurfürst eine Rainung statt, die sich über mehrere Jahre (1536 - 1546) hinzog. Diese Rainungsunterlagen stellen den ältesten erfassbaren Nachweis von Grund und Boden für die Einwohner von Eibenstock dar.
Die Besitzverhältnisse wurden in einer Karte dargestellt. Es konnte gezeigt werden, dass die Familie Siegel die größten Grundbesitzer zu dieser Zeit in Eibenstock waren (Bild 1).

Gutsbesitzer von 1539
(FH = Freihof; L = Lehngut)

1 ½-L Urban Schönfelder 13 ¼-L Caspar Lorentz
2 ½-L Heinrich Knott 14 1/8-L Enders Friedrich
3   Pfarrgut 15 ½-L Steffan Rauh
4 FH Nickel Meichsner 16 ¼-L Hans Sigell
5 FH Lorenz Siegel 17 ¼-L Ditus Herolt
6 FH Jocoff Meichsner 18/18a ½-L Hans Sigell/Oswald Siegel
7 1/1-L Hans Meichsner 19 ½-L Bartell Lorenz
8 ½-L Hans Mulner 20 ¼-L Petter Förster
9 ½-L Wolf Meichsner 21 ½-L Valten Siegel
10 ½-L Veit Wildner 22 ¼-L Urban Unger
11 ½-L Nickel Meichsner 23 3/8-L Jocoff Siegel
12 ½-L Nickel Baumann 24 3/8-L Urban Schmidt

Auf der anderen Seite des Dorfbaches:

25 ½-L Hans Schönfelder 30 ¼-L Balthasar Lorenz
26 ½-L Erhart Wiesner 31 ¼-L Linhardt Seiler
27 ¼-L Paul Luppolt 32 ¼-L Nickel Unger
28 ½-L Peter Lupolt 33 ¼-L Hans Schönfelder
29 ½-L Nick Baumann 29a ½-L (Baderei) Nickel Adam

Im Einzelnen wurden die Siegels dargestellt als:

  • Freihofbesitzer
    Die Siegels besaßen den mittleren und den unteren Freihof.
  • Bergleute vom Leder und von der Feder
    In der Familie Siegel finden wir einen Bergmeister, Zehntner und Berggeschworene, später Bergamtsverwalter in Freiberg.
  • „Bergbautreibende" und Hammerherrn
    Die Siegels waren selbstbauende Gewerke, Kuxenbesitzer und Hammerherrn.
  • Schmelzer
    Die Siegels waren über sechs Generationen Schmelzer, und zwar hauptsächlich die Nachkommen von Alt-Hans Siegel (1490-1557).
  • Richter
    Die Richter aus der Familie Siegel gehörten zu mehreren Siegel-Linien.

Abschließend wurde noch auf das Wappen der Siegel aus Eibenstock (Krs. Schwarzenberg i. Erzgebirge) eingegangen (Bild 2). Dieses Wappen wurde durch Wappenbrief des Kaisers Maximilian II. (Wien, 23.6.1564) für die Gebrüder Melchior(1515-1588) und Hans Siegel(1510-1589), Söhne des Lorenz Siegel(1483-1556), Enkel des Stammvaters Hans Siegel (1450-1508) (Wappenbuch der Reichskanzlei im Band I, S.271) bestätigt.

Grundbesitzverhältnisse in Eibenstock im 16. Jahrhundert

Bild 1: Grundbesitzverhältnisse in Eibenstock im 16. Jahrhundert
Rote Zahlen 1 - 12: 12 Hufen von Eibenstock
Schwarze Zahlen 1 - 33: 33 Lehnsgüter einschließlich 3 Freihöfe
Siegelscher Besitz 1539 (gelb)
Siegelscher Besitz im 16. Jh. erworben (orange)
Siegelscher Teilbesitz bzw. wieder verkaufter Besitz im 16. Jh. (rot)

Wappen von Melchior und Hans Siegel 1564

Bild 2: Wappen von Melchior und Hans Siegel 1564

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