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Die archivalische Quellenlage in Nordsachsen
Zusammenfassung zum Vortrag am 12.01.2005 Referentin: PD Dr. Manfred
Wilde (Museum Schloß Delitzsch)
Die wechselnde landesherrliche Zugehörigkeit als Problem
für die archivalische Forschung in Nordsachsen
von Manfred Wilde
Durch die Beschlüsse des Wiener Kongresses verlor das Königreich Sachsen im
Jahre 1815 die Hälfte seines Territoriums an das Königreich Preußen. Dazu
gehörten auch die Ämter Torgau, Eilenburg, Düben, Delitzsch und Schkeuditz, die
fortan in den neu geschaffenen preußischen Landkreisen Torgau, Delitzsch,
Bitterfeld und Merseburg aufgingen und zum Regierungsbezirk Merseburg gehörten.
Neben der neu geschaffenen administrativen Struktur mit der für die Bewohner
neuen landesherrlichen Zugehörigkeit, war damit bis um 1840 auch eine
Neustrukturierung bis hin zur Teilverlagerung des im königlichen Archiv in
Dresden überlieferten Schriftgutes verbunden. Dagegen blieben die Bestände in
Kommunal-, Amts-, Ephoral- (Kreiskirchen-) und Pfarrarchiven von Verlagerungen
weitestgehend unberührt.
Für die archivbezogene regionalgeschichtliche und genealogische Forschung in
Nordsachsen ist die Kenntnis über die diesbezüglichen historischen Zusammenhänge
unerläßlich, wenn sich die Recherche über die reine Kirchenbuchforschung hinaus
erstrecken soll.
Ausgangspunkt jeder Beschäftigung mit diesen Themen sollte für die Zeit vom
Spätmittelalter bis in das 20. Jahrhundert hinein die Klärung der historischen
lehnsrechtlichen Unterstellung bzw. landesherrlichen Zugehörigkeit sein. Das
heißt zu hinterfragen, zu welcher Landesherrschaft, welchem landesherrlichem
Amt/ Kreis, welchem Patrimonialgericht oder welchem Kirchspiel der gesuchte Ort
gehörte. Für das Gesamtgebiet des bis um 1815 bestehenden Kurfürstentums/
Königreichs Sachsen (im Norden bis zu den Ämtern Belzig und Gommern reichend, im
Süden bis zum Vogtland, im Westen bis nach Treffurt und im Osten bis nach Lauban
reichend, gibt es mehrere Buchtitel1, die für die Zeit um 1790/ 1815
einen guten Überblick über jedes einzelne Dorf und jede Stadt in diesem Gebiet
bieten. Die Klärung der Zugehörigkeit und Unterstellung eines Dorfes in diesem
Gebiet bildet die Voraussetzung für das „Aufspüren" des überlieferten
Schriftgutes.
Die archivalischen Bestände für den historischen kursächsischen Raum befinden
sich heute in verschiedenen Hauptstaats-, Landeshaupt-, Staats-, Kirchen- und
Stadtarchiven sowie in Museen. Im nachfolgenden werden diesbezüglich aber nur
die wichtigsten Quellengattungen genannt, die für die Orts- und
Familiengeschichtsforschung in den heutigen Kreisen Delitzsch und Torgau von
besonderer Bedeutung sind.2
Sächsisches Hauptstaatsarchiv Dresden: Kopiare mit Lehnsurkunden für
den landsässigen Adel, mit namentlicher Nennung der zinspflichtigen bäuerlichen
Hintersassen (14.-16. Jahrhundert; Land- und Schocksteuerlisten (15.-17.
Jahrhundert).3
Thüringisches Hauptstaatsarchiv Weimar: Für die Ämter relevant, die
bis zum Jahre 1547 zum ernestinischen Kurfürstentum Sachsen gehört haben. Dies
waren für das Untersuchungsgebiet die Ämter Düben, Bitterfeld, Torgau und
Eilenburg. Dort sind es die Amtsrechnungen mit Einnahmen und Ausgaben der
landesherrlichen Ämter z.B. Strafgebühren und von bäuerlichen Zensiten (15.-16.
Jahrhundert). Diese Ämterakten sind nach dem 1547 erfolgten Übergang der
Kurwürde an die Albertiner in der alten Zugehörigkeit verblieben.
Landeshauptarchiv Magdeburg, Außenstelle Wernigerode: Bestände der
ehemaligen Ämter und Patrimonialgerichte4, die bis 1815 zum
Kurfürstentum/ Königreich Sachsen gehörten, dann aber zum preußischen
Regierungsbezirk Merseburg gehörten. Dazu gehören u.a. Steuerakten (16.-19.
Jahrhundert) und Gerichtshandelsbücher (16.-19. Jahrhundert, mit Kaufverträgen
über Bauernhöfe, Erbauseinandersetzungen, Kreditaufnahmen); Lehnsakten der
Rittergüter (15.-19. Jahrhundert); Visitationsakten der Pfarrämter (16.-17.
Jahrhundert).
Staatsarchiv Leipzig: Bestände der historischen Stadtarchive
Delitzsch, Düben und Schkeuditz u.a. mit Gerichtshandelsbüchern, Steuerakten,
Bürgerverzeichnissen, Innungssachen (15.-20. Jahrhundert, wogegen sich die
Bestände der Städte Torgau und Eilenburg noch vor Ort befinden)5;
Bestände einzelner Patrimonialgerichte, z.B. Lützschena mit dem dazugehörigen
Dorf Freiroda.
Landesarchiv Merseburg: Aktenbestände u.a. der Landratsämter ab 1816
der Landkreise Bitterfeld, Torgau, Delitzsch, Merseburg für den Bildungsbereich
(Schulen), gewerbliche Einrichtungen und der Katasterämter (19.-20.
Jahrhundert); Grundbücher und –akten der Amtsgerichte Torgau, Eilenburg und
Merseburg (aber nicht Delitzsch) (19.-20. Jahrhundert); Bestand Plankammer
Merseburg mit Karten und Bauplänen von Domänen und Bauwerken (17.-19.
Jahrhundert).6
Kreisarchive in Delitzsch und Torgau-Oschatz: Bestände historischer
Gemeindearchive der Dörfer aus den jeweiligen Kreisgebieten (18.-20.
Jahrhundert).7
Domstiftarchiv Merseburg: Für das Untersuchungsgebiet ausschließlich
für das ehemalige Amt Schkeuditz relevant. Steuer- und Lehnsakten mit Nennung
des landsässigen Adels und der Namen von bäuerlichen Hintersassen (14.-19.
Jahrhundert).
Kreiskirchenarchive: In Delitzsch für die Region um Delitzsch, Bad
Düben und Eilenburg, in Belgern für die Region um Torgau. Der Bestand für die
Region um Schkeuditz befindet sich dagegen im Konsistorialarchiv Magdeburg. Am
wichtigsten sind die Berufungsakten für Pfarrer und Lehrer, Kirchenrechnungen
der Gemeinden (15.-20. Jahrhundert). Aufgrund nur unregelmäßiger personeller
Besetzung ist die Benutzbarkeit eingeschränkt.8
Evangelische Pfarrämter: Alle Kirchenbücher des Kirchenkreises
Torgau-Delitzsch (die Region um Torgau, Bad Düben, Eilenburg, Delitzsch und
Schkeuditz) befinden sich vor Ort in den einzelnen zuständigen Pfarrämtern.
Dieser Bereich gehört nicht zur Sächsischen Landeskirche, sondern bereits seit
1816 zur Kirchenprovinz Sachsen mit dem Sitz in Magdeburg. Im Verlauf des Jahres
2005 soll die Sicherungsverfilmung aller evangelischen Kirchenbücher des
westlichen Gebietes des Kirchenkreises Torgau-Delitzsch abgeschlossen werden
(Altkirchenkreis Eilenburg mit der Umgebung von Eilenburg, Bad Düben und
Delitzsch), so dass deren Benutzung in diesem Jahr nicht möglich ist. Ab 2006
können die Filme im Konsistorialarchiv in Magdeburg eingesehen werden, wenn auch
mit langen Anmeldefristen.
Anschrift des Verfassers:
PD Dr.phil.habil. Manfred Wilde, Ritterstraße 31 in 04509 Delitzsch
- Leonhardi, Friedrich Gottlob: Erdbeschreibung der Churfürstlich- und
Herzoglich-Sächsischen Lande. 1. Auflage 1790 und Auflage Leipzig 1803;
Schumann, August: Vollständiges Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. Zwickau
1814 ff (13 Bände).
- Eine vollständige Übersicht über die einzelnen Archivbestände muß sich der
Interessierte selbst vor Ort im Archiv verschaffen. Der größte Teil der
archivalischen Überlieferung ist durch Findhilfsmittel (Findbücher und
Karteien) erschlossen und somit auch benutzbar.
- Archive im Freistaat Sachsen. Archiv- und Beständeführer. Herausgegeben
von Ingrid Grohmann, Leipzig 2003, S.5-74.
- Gesamtübersicht über die Bestände des Landeshauptarchivs Magdeburg, Band
IV. Bearbeitet von Hanns Gringmuth-Dallmer, Berent Schwineköper, Manfred
Kobuch. Halle/ Saale 1960 (= Quellen zur Geschichte Sachsen-Anhalts 8).
- Archive im Freistaat Sachsen. Archiv- und Beständeführer. Herausgegeben
von Ingrid Grohmann, Leipzig 2003, S.160-220; 356, 421-422.
- Anschrift: König-Heinrich-Straße 4 in Merseburg. Die Bestände sind durch
Findhilfsmittel erschlossen.
- Ebda., S.259-263; S.301-302.
- Zu erfragen über die Evangelischen Pfarrämter in Delitzsch und Belgern.
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